Der russische Satzbau wirkt für Deutschsprachige zunächst chaotisch: Die Wörter scheinen in beliebiger Reihenfolge zu stehen. Das stimmt fast – aber die Reihenfolge trägt Bedeutung, nur eine andere als im Deutschen.
Die Grundstellung
Neutral ist Subjekt – Verb – Objekt, wie im Deutschen.
Ма́ма чита́ет кни́гу. – Die Mutter liest ein Buch.
Alle sechs Umstellungen dieses Satzes sind grammatisch korrekt und bedeuten dasselbe – nur die Gewichtung verschiebt sich.
| Satz | Betont wird |
|---|---|
| Ма́ма чита́ет кни́гу. | neutral |
| Кни́гу чита́ет ма́ма. | Die Mutter liest es (nicht jemand anders) |
| Чита́ет ма́ма кни́гу. | Sie liest es (statt etwas anderes zu tun) |
| Ма́ма кни́гу чита́ет. | Sie liest das Buch (statt es wegzulegen) |
Faustregel: Was am Satzende steht, ist die neue, wichtige Information. Was vorn steht, ist bekannt.
Sätze ohne Verb
Im Präsens fällt „sein“ weg. Damit werden viele Sätze extrem kurz.
Я студе́нт. – Ich bin Student.
Дом большо́й. – Das Haus ist groß.
Э́то моя́ сестра́. – Das ist meine Schwester.
Ausführlich erklärt im Beitrag Sein auf Russisch.
Das Subjekt darf fehlen
Weil die Verbendung die Person zeigt, kann das Pronomen wegfallen.
Не зна́ю. – Ich weiß nicht.
Идём. – Gehen wir.
Manche Sätze haben überhaupt kein Subjekt – das sind die unpersönlichen Konstruktionen mit dem Dativ.
Мне хо́лодно. – Mir ist kalt.
Ему́ ну́жно рабо́тать. – Er muss arbeiten.
Здесь нельзя́ кури́ть. – Hier darf man nicht rauchen.
Adjektiv vor dem Substantiv
Wie im Deutschen: но́вый дом, краси́вая де́вушка. Umgekehrt geht es nur in Poesie oder bei nachgestellter Betonung.
Fragen ohne Umstellung
Anders als im Deutschen wird bei Fragen nichts umgestellt.
Ты живёшь в Москве́. → Ты живёшь в Москве́?
Nur die Satzmelodie steigt. Mit Fragewort kommt dieses nach vorn – siehe Fragewörter.
Die Verneinung steht direkt davor
не steht immer unmittelbar vor dem verneinten Wort – und verschiebt damit die Bedeutung.
Я не чита́л э́ту кни́гу. – Ich habe dieses Buch nicht gelesen.
Не я чита́л э́ту кни́гу. – Nicht ich habe es gelesen.
Der Gedankenstrich statt „ist“
Wenn beide Satzteile Substantive im Nominativ sind, setzt man im Schriftlichen einen Gedankenstrich.
Москва́ – столи́ца Росси́и. – Moskau ist die Hauptstadt Russlands.
Мой брат – врач. – Mein Bruder ist Arzt.
Nach einem Pronomen entfällt er: Он врач.
Teste dich
Was wird jeweils betont?
- Ива́н купи́л маши́ну.
- Маши́ну купи́л Ива́н.
- Я не был там.
- Не я был там.
Lösungen anzeigen
1. neutral, sachliche Aussage · 2. betont, dass Iwan es war · 3. Ich war nicht dort · 4. Nicht ich war dort, sondern jemand anders
Häufige Fragen
Ist die Wortstellung wirklich völlig frei?
Grammatisch ja, stilistisch nein. Jede Reihenfolge ist verständlich, aber nicht jede klingt natürlich. Als Lernender fährst du mit Subjekt–Verb–Objekt am sichersten.
Woran erkenne ich das Subjekt, wenn es hinten steht?
Am Fall. Das Subjekt steht immer im Nominativ, das Objekt im Akkusativ. Deshalb funktioniert die freie Stellung überhaupt.
Wo steht das Zeitadverb?
Meist am Satzanfang oder direkt vor dem Verb: Вчера́ я был до́ма oder Я вчера́ был до́ма. Beides ist üblich.
← Haben auf Russisch
→ Fragewörter
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